Modern meets Classic – Blashaus Martin Suter

Portrait in sonic – Magazin für Holz- und Blechinstrumente: Unter dem Motto "Traditionelles Instrumentenhandwerk mit den neuesten Technologien kombinieren" arbeitet Martin Suter seit 1988 selbstständig im Blasinstrumentenhandwerk.

Portrait

1998 machte sich Suter nach seiner Ausbildung in Luzern Selbstständig, arbeitete zuerst mit Geschäftspartnern, ab 1994 dann allein. 1996 folgte der Umzug in die Pilatusstr. 3 nach Zug. Ab 1998 unterstützte Werner Keller die Fachwerkstatt, 2002 kam Markus Hassler, 2012 dann Björn Kirke dazu.

Das Blashaus kooperiert mit den Hochschulen in Zürich (Projekt "SABRe", Sensor Augmented Bass Clarinet Research) und Luzern. Die Spezialisten bieten Lösungen für Bassklarinetten (Hälse, G#/C#-Niederhalter, Positionsarretierungen), Kontrabassklarinetten (Optimierung), Trompeten (Stimmzug-Trigger), Yamaha Bariton-Saxofone (modifizierte S-Bögen für YBR-62) und Modifikationen von Kölbl Tragegurten an (dünnere Schnur und eigens angefertigte Schliessen).

Darüber hinaus werden Standard-Instrumente verkauft und repariert sowie eine kleine Auswahl von Vintage-Saxofonen vorgehalten. Besonders interessiert mich die Umbauten von Conn "New Wonder" II Saxofonen, die dort erstmals 1992 vorgenommen wurden.


Zur Erinnerung

Das erste amerikanische, gemeinhin als Modell "Worcester" bekannte Saxofon wurde von Ferdinand August "Gus" Buescher für den Saxofon-Virtuosen Edward Abraham Lefèbre entwickelt. Buescher arbeitete von 1875 bis 1893 bei Conn, zuletzt als Vorarbeiter. Bei der 1893er World's Columbia Exhibition in Chicago stellte Conn Alto- und Tenor-Modelle aus, die den Modellnamen "Wonder" trugen. Diese neue Baureihe hatte die typische Becherklappen-Aufteilung auf beiden Seiten des Schallbechers und einen Tonumfang bei Alto und Tenor bis hoch F, die übrigen Instrumente gingen nur bis zum hoch Eb. Beim Modell "New Wonder" wurden serienmässig gebördelte Tonlöcher verwendet.

Die erste Serie verfügte über Perlmutter-Einlagen, eingestempelte Haynes-Patent-Nummer, Front F beim Alto und Tenor und einen glatten G#-Drücker. Um 1923 kamen die Konter-Madenschrauben zu den Spitzschrauben dazu, welche dann viele Jahre ein typisches Conn-Merkmal sein sollten. Eine winzige Schraube sichert hierbei die eigentliche Achsschraube.

Die zweite Serie der "New Wonder" Saxofone wurde ab etwa 1924 gebaut und unterschied sich von der ersten Serie unter anderem auffällig durch die Verwendung eines über Kreuz gerändelten G#-Drückers. Diese Hörner werden auch nach dem damals bekannten amerikanischen Saxofonisten Leon "Choo" Berry (1910-1941) benannt. Die Bariton-Saxofone der "New Wonder"-Baureihe trugen bis etwa 1926/1927 das obere Oktavloch am S-Bogen, die dazu gehörige Mechanik jedoch am Korpus.

Das Hauptproblem aller damals gebauten Saxofone ist aus heutiger Sicht die "Inline"-Anordnung der Tonlöcher des geraden Korpus-Teilstücks: Die Tonlöcher liegen in einer Linie untereinander angeordnet. Dadurch liegt das Instrument sperrig in der Hand. Die Links/Rechts-Anordnung der Becherklappen und der lange Arm für die tiefe C#-Klappe mit der ungünstigen Kräfteverteilung machen zudem einen schnellen Wechsel bei der G#/C#/H#/Bb-Verbindung schwer.


Umbau

Suter und sein damaliger Geschäftspartner Renato Fontano entschlossen sich zu einer drastischen Massnahme: Um eine moderne Applikatur verwenden zu können und damit Saxofonisten den Wechsel zwischen einem modernen Horn und dem Choo Berry möglichst einfach zu machen, wurde der Korpus durchtrennt, der untere Teil nach rechts gedreht und zusammengelötet. Dadurch konnte eine moderne "Balanced"-Mechanik verwendet werden.

Auch bei den nachfolgenden Umbauten wird also im Detail Folgendes gemacht: Der Korpus wird zerlegt, alle Mechanikträger werden abgelötet. Der blanke Korpus wird mechanisch gerichtet, ausgebeult und anschliessend unterhalb des G#-Tonlochs "getrennt" – nicht durchgesägt, denn das wäre mit Materialverlust verbunden. Das Blech wird vielmehr auf der Drehbank mit einer Art Trennscheibe abgedrückt, sodass praktisch kein Material verloren geht. Danach wird der untere Teil nach rechts gedreht, um eine Selmer-ähnliche Applikatur nach entsprechenden Anpassungen (H/Bb sind immer noch links/rechts am Becher aufgeteilt) aufzusetzen. Suter bezieht diese Mechaniken aus Taiwan. Das Tonloch für das Gabel-Eb wird geschlossen, der entsprechende Hebel wäre bei der modernen Applikatur ohnehin nicht vorhanden. In Anlehnung an die originalen Drahtkäfige werden ähnlich anmutende Klappenschützer verwendet, die nun jedoch einen verstellbaren Anschlag haben.

Der S-Bogen erhält eine Oktavklappe, die mit den gleichen Designmerkmalen wie die Klappenschützer gestaltet sind. Das mechanisch umgearbeitete Horn wird bei Sibag in Luzern/CH versilbert und anschliessend durch eine chemische Oxydation patiniert. Das Instrument erhält dadurch einen dunklen Vintage-Look; an den typischen Abriebstellen wird die Oberflächen-Veredelung im Laufe der Zeit heller.

In die Klappenteller werden Pisoni Pro Pads (harter Filz) mit dunklem Schellack eingeklebt. Dieser Polstertyp verfügt über einen relativ dichten und harten Filz und wird von vielen Reparateuren für Premium-Generalüberholungen präferiert. Vor dem Einbau werden die Polster mit grösstmöglichen speziellen flachen Messing-Resonatoren versehen. Die weiteren verwendeten Materialien sind unter anderem blaue Nadelfedern, fester Filz, bester Naturkork und Gummikork. Da die Tenöre allesamt auf Kundenbestellung gefertigt wurden, kann ich selbst kein Statement zum Sound abgeben. Suter sagt zu diesem Thema: "Es bleibt der Conn Sound mit seinem Charme erhalten. Das Instrument ist aber versteifter und hat mehr Masse. Das ergibt ein etwas geführteres Blasgefühl, verbunden mit einem mehr fokussierten Klang."

Die veredelten Saxofone werden "Black Pearl" genannt. Bislang wurden zwölf Tenöre gebaut, unter anderem für James Carter (der eigentlich Endorser für P. Mauriat ist), siehe z. B. Robert Altmans Film "Kansas City"), sowie ein tief-Bb-Baritonsaxofon.

Letzteres konnte ich bei meinem Besuch bei Martin Suter kurz anspielen: Es liegt tatsächlich wie ein modernes Baritonsaxofon in der Hand, ist tadellos gearbeitet, spricht leicht an und klingt fett.


Fazit

Der Gesamt-Aufwand, um ein Conn Vintage-Saxofon so grundlegend und akribisch zu überarbeiten, ist nachvollziehbar sehr hoch und lässt sich auch am Preis von 12.500 Schweizer Franken ablesen, bei einem Wechselkurs von 0,81 entspricht das etwas mehr als 10.000 Euro.

Ein Spitzeninstrument mit Spitzenpreis für Individualisten, die den typisch amerikanischen Sound suchen, aber auf eine komfortable Klappenanlage Wert legen.

Von Uwe Ladwig

Portrait erschienen in
sonic - Magazin für Holz- und Blechinstrumente

2010 – Wir präsentieren:
BLASHAUS Converted Conn Chu Berry "Black Pearl II"

Fast 20 Jahre nach dem legendären ersten BLASHAUS Converted Conn Chu Berry Black Pearl greift DAS BLASHAUS die Idee noch einmal auf:
Die Fusion von wunderbarem Vintage-Sound mit perfektem Handling

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BLASHAUS Converted Conn Chu Berry "Black Pearl II" Bariton

Taktile Spielbarkeit verbunden mit wundervollem Klang:

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